Elias Oratorium von Felix Mendelssohn-Bartholdy
am 26.09.2009 in der Gethsemanekirche Berlin Prenzlauer Berg
Leitung: Cornelia Ewald
- Konzertchor der Friedenskirche Niederschönhausen
- Sopran: Bianca Reim, Alt: Almut Pessara
- Tenor: Hardy Brachmann, Bass: Wolfram Teßmer
- Young Voices MDO, Orchester Hauptstadtblech
- Bilder: Peter Müller
| |
|
|
| |
|
|
„Gänsehaut vom Anfang bis zum Ende“
Der letzte Ton ist verklungen – und es passiert erst einmal nichts.
Es ist einfach nur still.
Erst allmählich brandet Applaus auf, wird immer stärker, bis er in fast stürmischen Ovationen endet.
Über zwei Stunden lang hatten die rund 600 Besucher dem Elias-Oratorium von Felix Mendelssohn
Bartholdy in der Gethsemanekirche gelauscht und waren offenbar erstmal sprachlos.
Kein Wunder, bei so einem monumentalen Werk mit „recht dicken, starken, vollen Chören“,
wie Mendelssohn einst selber schrieb. Einige Zuhörer berichteten später,
sie hätten beim ersten Einsatz der über 150 Sängerinnen und Sänger mit ihrem „Hilf Herr“
eine Gänsehaut bekommen, die sie das ganze Konzert über nicht mehr losgelassen hätte.
Seit Jahresbeginn hatte sich der Chor der Pankower Friedenskirche intensiv mit dem Elias
beschäftigt. Jeden Montag in der Probe und zusätzlich an drei Chor-Wochenenden.
Da wurde dann noch mal in Acht-Stunden-Schichten an Details des Werks gefeilt.
Am 26. September dann der Höhepunkt: Das Konzert in der Gethsemanekirche.
Als Novum gab es eine Kooperation mit den Young Voices, dem Chor des Max Delbrück Gymnasiums Pankow.
Die Schüler hatten ebenfalls am Elias gearbeitet und sangen nun bei der Aufführung mit.
Besonders beeindruckend waren die vier Solisten Bianca Reim (Sopran), Almut Pessara (Alt),
Hardy Brachmann (Tenor) und Wolfram Teßmer (Bass).
Sie probten trotz engem Zeitplan engagiert mit und ließen sich offenbar von der Begeisterung der
Laien anstecken. Auch das Orchester hatte sich mit großer Spielfreude und Können dem Projekt verschrieben.
Schließlich hat Chorleiterin und Dirigentin Cornelia Ewald mit ihrem musikalischen Gespür und ihrer
Leidenschaft ein außergewöhnliches musikalisches Ereignis geschaffen.
„Beeindruckend“, „ein Erlebnis“, „ergreifend!“ lauteten denn auch die Reaktionen der Zuhörer.
Der Chor hatte aber auch alles gegeben: Mal in der Rolle des Volkes
Israel, dann als Baalspriesterschaft, als Engelschor und wieder ein
anderes Mal als „Überbringer“ allgemein religiösen Inhalts. Da war sein
ganzes sängerisches und musikalisches Können gefragt.
Vom Publikum besonders
gelobt wurde auch die Verständlichkeit der gesungenen Texte, die an
einigen Stellen ganz schön martialisch klingen: Ob es darum geht, dass
Gott die vom Glauben Abgefallenen verfolgen und töten wird oder die
Baalspriester zum Mord am Propheten Elias aufrufen: Die Geschichte ist
stellenweise nichts für schwache Nerven. Aber genau das hatte
Mendelssohn an der alttestamentarischen Geschichte vom Propheten Elias
fasziniert: die leidenschaftliche und streitbare Figur. Sie gab ihm
viele Möglichkeiten zur musikalischen Gestaltung: Seien es Zwiesprachen
zwischen „Volk“ und Prophet, wunderschöne Arien oder herrliche Passagen
für das Orchester. Auch die Stationen des biblischen Geschehens wie
Dürre, Regen, Feuer oder die Erscheinung Gottes hat Mendelssohn in
packende musikalische Bilder umgesetzt. Und so ist es vielleicht gar
nicht so erstaunlich, dass eine Konzertbesucherin hinterher schrieb:
„Wir sind begeistert, wollen mehr…“
BS